1. Einleitung

Die Zielsetzung dieser Diplomarbeit besteht in der Darstellung und der Analyse und der zyklischen Aktienkursprognose. Zudem soll eine Beurteilung in Hinblick auf ihre Aussagegenauigkeit erfolgen.

Im Bereich der Finanzwirtschaft ist die Einschätzung über den zukünftigen Verlauf von Preisen, Kursen und Marktbewegungen ein sehr umfassendes Thema, zu dem es viele diverse Untersuchungen, Methoden und Theorien gibt. Das große Interesse an der Entwicklung von Wertpapieren und ihren Unternehmen ist in der hohen volkswirtschaftlichen Bedeutung der Kapitalmärkte begründet. Eine wesentliche Aufgabe dieser Märkte besteht in der Bereitstellung von Finanzierungs- und Investitionsmöglichkeiten. Die Wahrnehmung dieser Funktion wird durch die Aktie, als Beteiligungsinstrument an einem Unternehmen, gewährleistet. Das primäre Ziel des Anteilhabers einer Gesellschaft besteht darin, mit seinem Kapitaleinsatz möglichst hohe Gewinne zu erwirtschaften und das Risiko der Verlustbeteiligung zu begrenzen. Um dieses Ziel zu optimieren, kann der Entscheidungsprozess beim Kauf einer Aktie, durch die Aktienanalyse unterstützt werden.[1]

“Die Aufgabe der Aktienanalyse besteht nun darin, systematisch alle Informationen zu erheben und auszuwerten, mit denen die Auswirkung des Aktieninvestments auf die (Vermögens-) Position des Anlegers eingeschätzt werden können.”[2] Um diese Problematik zu lösen, gibt es unterschiedliche Ansätze, die nach Steiner/Bruns in drei klassische Bewertungsmethoden eingeteilt werden: die Random-Walk-Hypothese, die Fundamentalanalyse und die Technische Analyse.[3] Einige weitere moderne Verfahren, die sich nicht nach dieser konventionellen Klassifikation einordnen lassen, sind: die Chaostheorie, Bubbles, Neuronale Netze und die Aspekte der Börsenpsychologie und Verhaltensökonomie (Behavioral Finance).[4]

Die Random-Walk-Hypothese geht davon aus, dass die Kurse einer Aktie zufällig um ihren fundamental gerechtfertigten Wert schwanken. Kursveränderungen sind, nach dieser Auffassung, nur durch neue zukünftige Informationen möglich. Diese sind aber definitionsgemäß unbekannt und unvorhersehbar.[5] Die Gültigkeit dieser Annahmen schließt die Möglichkeit der Einschätzung zukünftiger Kursentwicklungen aus, da die Kapitalmärkte als informationseffizient angesehen werden.[6] Die Vertreter dieser Theorie gehen davon aus, dass die Kurse einem Zufallspfad folgen. Demzufolge ist die Random-Walk-Hypothese für die Beurteilung der zyklischen Aktienkursprognose irrelevant und wird im Folgenden nicht berücksichtigt.

Für den praktischen Gebrauch sind die Fundamentale und die Technische Analyse von hoher Bedeutung. Während sich die Fundamentalanalyse mit wichtigen Kennzahlen des Unternehmens, der Branche und der globalen, wirtschaftlichen Umwelt auseinandersetzt[7], beschäftigt sich die Technische Analyse mit den Kursverläufen und den Marktbewegungen der Vergangenheit.[8]

Obwohl die Fundamentalanalyse die meist verbreitetste Form der Aktienanalyse darstellt[9], sind ihre Erkenntnisse für die Erläuterung der zyklischen Prognose nicht von Bedeutung. Dagegen ist die Explikation der Technischen Analyse essenziell für das Modell der zyklischen Aktienkursprognose. Die Theorie kann nach Müller/Lindner in vier Bereiche unterteilt werden. Zu ihnen zählen die Charttechnik, die Markttechnik, die Sentimenttechnik und die Zyklentechnik.[10] Somit basiert der zyklische Ansatz auf den Grundannahmen und den Kerngedanken der Technischen Analyse und stellt eine Spezialdisziplin dieser Bewertungsmethode dar.[11] Das Ziel dieser Theorie besteht darin, regelmäßig wiederkehrende Muster, sogenannte Zyklen, in den Kursverläufen der Vergangenheit zu identifizieren und diese auf die zukünftigen Marktentwicklungen zu übertragen.[12]

Inhaltlich gliedert sich die Arbeit in sechs Kapitel. Der Einleitung folgend, werden zunächst die Grundannahmen und die wichtigsten Elemente der Technischen Analyse dargestellt, da diese von hoher Bedeutung für die Herleitung und das Verständnis von Börsenzyklen sind. Im 3. Hauptabschnitt wird die Thematik der Zyklenanalyse behandelt. Es wird die Charakteristik von Zyklen beschrieben und die Existenz wichtiger wirtschaftlicher Zyklen vorgestellt. Diese allgemeinen Zyklen sollen die Aussagekraft, der im 4. Kapitel behandelten Börsenzyklen, unterstützen. Dort werden die bekanntesten Zyklen vorgestellt und in Bezug auf ihre Zuverlässigkeit untersucht. Außerdem wird an einem empirischen Beispiel die Aussagegenauigkeit und die praktische Anwendbarkeit einiger behandelter Zyklen überprüft. Enden wird diese Arbeit mit einer kritischen Schlussbetrachtung über die vorgestellte Thematik.

Als Motivation und Anregung zu dieser wissenschaftlichen Arbeit diente das jahrelange Interesse an der Wirtschaft, ihren Unternehmen, der Börse, dem Handel von Wertpapieren und somit der Beurteilung der Aktienmärkte und ihrer Entwicklung. Das spezielle Thema der zyklischen Aktienkursprognose wurde gewählt, weil es besonders in Deutschland wenig bekannt und kaum erforscht ist und somit eine interessante Herausforderung darstellt.

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